23 - Die Essenz unserer Gedanken / Verzerrte Realität / Verbundenheit

Shownotes

Zu Beginn der Episode begrüßt der Host die Zuhörer und stellt das Thema einer Reise ins Ungewisse vor, wobei der Fokus auf der Funktionsweise des Geistes und dem Konzept des freien Willens liegt. Es wird ein Bezug zu buddhistischen Lebensweisen hergestellt, insbesondere durch die Erwähnung des erfahrenen Buddhisten Matthieu Ricard, dessen Gedanken zur verzerrten Wahrnehmung der Realität als Ausgangspunkt für die Diskussion dienen.

Besonders hervorzuheben ist die tiefgehende Analyse, wie Gedanken unsere Wahrnehmung der Realität verzerren und zur Trennung von Selbst und Anderen führen, sowie die kritische Betrachtung der Ich-Konstruktion als Quelle von Leid und Begrenzung. Die Episode bietet zudem anschauliche Beispiele, wie Zielorientierung und gesellschaftliche Erwartungen zu innerer Unruhe führen können, und unterstreicht die transformative Kraft von Meditation und Achtsamkeit für ein erfüllteres Leben.

Transkript anzeigen

00:00:02: Schön, dass du da bist.

00:00:04: Herzlich willkommen.

00:00:06: Heute soll es wieder eine Reise geben,

00:00:09: eine Reise

00:00:10: ins Ungewisse.

00:00:12: Ich möchte dir dennoch vorab sagen, was in etwa auf dich zukommen wird,

00:00:18: womit

00:00:19: wir uns beschäftigen werden.

00:00:22: Wir werden uns heute hauptsächlich mit unserem Geist beschäftigen, konkreter gesagt,

00:00:29: mit den Funktionsweisen

00:00:30: unseres

00:00:31: Geistes.

00:00:32: Eine Frage wäre da zum Beispiel, was genau geschieht in unserem Geist, wenn wir Dinge tun, die uns keine Freude bereiten, die uns nicht wirklich erfüllen?

00:00:47: Oder auch warum tun wir solche Dinge?

00:00:51: Wir werden auch wieder über den freien Willen sprechen, das ist notwendig, denn der freie Wille hängt ja mit der Funktionsweise unseres Geistes

00:01:01: zusammen.

00:01:02: konkreter gesagt, je achtsamer wir werden, desto freier wird unser Wille.

00:01:09: Ja, du merkst, vielleicht das

00:01:12: ist

00:01:12: ein Thema, das mich sehr beschäftigt, also der freie Wille, und dies möchte ich dir einfach nahe legen.

00:01:20: Wie wichtig dieses Thema überhaupt ist für jeden von uns.

00:01:26: Wir schauen einfach mal, inwiefern wir uns heute mit den Freien Willen beschäftigen.

00:01:32: Der erfahrene Buddhist Mathurika war einst in dem Podcast Sternstunde Philosophie zu Gast und hat dort über die Funktionsweise unseres Geistes gesprochen.

00:01:47: Und ich möchte daraus nur einen Satz entnehmen, den er sagte.

00:01:51: Er sagte, wir nehmen die Realität verzerrt wahr, in Bezug darauf, dass wir leiden.

00:02:02: Also das ist der Satz, wir nehmen die Realität verzehrt wahr.

00:02:06: Dieser Satz ist mir in Erinnerung geblieben.

00:02:09: Überhaupt kann ich dir diese Folge sehr ans Herz legen, Mathurika, Sternstunde Philosophie.

00:02:16: Ich glaube er war zwei tausendsechzehn dort.

00:02:20: Und ich möchte jetzt ein wenig mit dir über diesen Satz sprechen, über diesen Satz philosophieren.

00:02:29: Wenn wir uns wirklich tief mit den buddhistischen Lebensweisen befassen, die ja im Grunde einfach nur lebensweisende Natur sind, lebensweisende kosmischen Gesetze, denn das ist für mich die Definition oder eine der wesentlichen Definitionen des Buddhismus,

00:02:51: also

00:02:51: dass der Buddhismus uns die Funktionsweise der Welt erklärt.

00:02:58: wie kosmische Gesetze funktionieren, damit wir nach diesen kosmischen Gesetzen leben.

00:03:04: Und sofern wir nach diesen kosmischen Gesetzen leben, bzw.

00:03:09: je mehr wir nach diesen kosmischen Gesetzen leben, desto mehr Freude bereitet uns das Leben, weil wir einfach in gewisser Weise die Dinge richtig

00:03:19: tun.

00:03:20: Also noch einmal zum Satz.

00:03:22: Wir nehmen die Realität verzerrt,

00:03:24: weil jetzt

00:03:24: möchte ich hinzufügen, Wir nehmen die Realität verzerrt wahr, wenn wir uns nicht unserer spontan auftauchenden Gedanken bewusst sind.

00:03:39: Was bedeutet

00:03:40: es?

00:03:41: Das bedeutet

00:03:42: das, wenn wir zum Beispiel irgendeine Handlung tun und nicht merken, dass diese Handlung aus spontan auftauchenden Gedanken getan wird, dann nehmen wir die Realität verzerrt wahr, denn dann sehen wir nicht, wie die Realität wirklich ist.

00:04:03: Es ist natürlich die wichtige Frage, wie ist denn die Realität wirklich?

00:04:08: Die Realität ist zum Beispiel so, dass die Welt in gewisser Weise in uns ist.

00:04:16: Mit anderen Worten, wenn wir davon ausgehen, dass es einerseits uns gibt und andererseits andere Menschen, und auch Objekte, die nicht mit uns verbunden sind, dann nehmen wir die Realität verzerrt war, weil es eben nicht so ist, weil alles miteinander verbunden ist.

00:04:38: Und jetzt kommt das Wichtige, jetzt kommt das wirklich Wichtige.

00:04:42: Was hindert uns daran, die Welt als eine Einheit zu sehen?

00:04:48: Was, wenn wir zu diesem Zustand gelangen, einfach unglaublich Großes?

00:04:53: Glück mit sich bringt.

00:04:55: Was hindert uns daran?

00:04:57: Es sind unsere Gedanken.

00:04:59: Das heißt, unsere Gedanken machen zum Beispiel andere Menschen.

00:05:05: Lass uns hier tiefer einsteigen.

00:05:07: Unsere Gedanken machen andere Menschen.

00:05:10: Indem wir ein Du definieren, wie Nagajuna eins sagte, definieren wir auch gleichzeitig ein Ich.

00:05:18: Aber dieses Du wird von unseren Gedanken definiert.

00:05:22: Es gibt ihn weit, keine anderen Menschen.

00:05:26: Es gibt nur, man kann sagen, in gewisser Weise andere Menschen.

00:05:30: So wie es in einem Traum ist, so wie es in unserem Traum ist, wenn wir in unserem Traum anderen Menschen begegnen, dann sind sie ja in gewisser Weise auch andere Menschen, aber dennoch sind sie voll und ganz in unserem Geist.

00:05:45: Weil der Traum ja nur in unserem Geist geschieht.

00:05:48: Und so ähnlich verhält es sich mit der Realität.

00:05:52: Es ist ja so, dass wir ein Teil unserer Mitmenschen sind und unsere Mitmenschen ein Teil von uns sind.

00:06:00: Und diese Trennung ist nur geistiger Natur.

00:06:03: Warum kommt diese Trennung denn nun zustande, wollen wir uns jetzt fragen.

00:06:08: Diese Trennung kommt daher zustande, wenn wir nicht merken, dass unsere Gedanken diese Trennung machen.

00:06:18: Mit anderen Worten, wenn wir aufpassen.

00:06:22: das auftauchende Gedanken jener Wesen, die wir sehen, nicht als andere Menschen darstellen, dann sind es nicht andere Menschen.

00:06:34: Das mögen wir uns fragen, ja, wer ist es dann?

00:06:37: Und hier kommt ein wesentlicher Faktor hinzu.

00:06:40: Wir sollten andere Menschen, oder besser gesagt, jener Formen, die wir sehen, überhaupt nicht beurteilen.

00:06:49: Das heißt, die Gedanken die unsere Mitmenschen zu anderen uns nicht verbundenen Menschen machen, das sind Urteile.

00:06:59: Wenn wir also gedankenfrei versuchen, im Alltag zu sein, oder besser gesagt, je gedankenfreier wir durch unseren Alltag schreiten, je gedankenfreier wir sind, desto mehr ist die Welt in uns, desto mehr ist die Welt auch eine Einheit für uns.

00:07:19: dass du weniger Trennung gibt es für uns.

00:07:22: Das soll also unser grundlegendes Ziel sein, darauf zu achten, dass unsere Gedanken uns die Welt nicht falsch darstellen, uns die Welt nicht verzerren.

00:07:35: Und das ist hauptsächlich durch Meditation möglich, dafür ist ja die Meditation da, indem wir unsere Gedanken erkennen, indem wir sie immer mehr erkennen.

00:07:46: Denn je mehr wir unsere Gedanken erkennen, desto mehr nehmen wir die Realität nicht verzerrt wahr, desto mehr nehmen wir die Realität wahr, wie sie ist.

00:07:57: Und es gibt keine abschließende Antwort darauf, wie die Realität ist.

00:08:02: Denn jede Antwort ist nur ein Begriff, ist nur ein Satz, wäre nur eine Idee.

00:08:07: Mit anderen Worten, wir sind umso glücklicher, umso Gedankenfreier wir sind.

00:08:14: Wir... unserem Alltag nachgehen, wir die Dinge tun, unsere Arbeit tun.

00:08:19: Jetzt lass uns hier tiefer einsteigen, indem wir uns fragen, was genau geschieht denn mit uns, wenn wir dies ganz und gar nicht wahrnehmen, dass unsere Gedanken uns andere Menschen machen, uns Objekte machen, uns eine Welt machen, die nicht mit uns verbunden ist.

00:08:44: Und jetzt möchte ich heute nur zwei Aspekte aufgreifen.

00:08:47: Der eine Aspekt ist, dass wir uns selbst dadurch klein machen, weil wir ja indem wir die Dinge in der Welt oder besser gesagt die Phänomene in der Welt wie eben andere Menschen nicht als Teil von uns betrachten, wir so ein Ich konstruieren.

00:09:07: Und immer wenn wir ein Ich konstruieren, dann beschränken wir uns.

00:09:11: Denn ein Ich muss ja beschränkt sein.

00:09:15: Ein Ich hat ja Grenzen.

00:09:16: Das ist ja die Grundlage der Definition eines Ich, dass es Grenzen hat.

00:09:23: Wir definieren zum Beispiel ein Ich, oder wir beschränken ein Ich hauptsächlich beispielsweise auf unseren Körper.

00:09:32: Wir schauen in den Spiegel und sagen dann, das bin ich.

00:09:36: Und schon machen wir eine Begrenzung.

00:09:39: Denn in Wahrheit ist der ganze Kosmos in unser Körper.

00:09:43: Und genauso machen wir das mit unserem Geist.

00:09:46: Und die Folgen der Beschränkungen unseres Geistes sind noch verheerender als die Beschränkungen unseres Körpers.

00:09:54: Wenn wir zum Beispiel sagen, ich bin so, ich kann dies, ich kann jenes, das sind meine Fähigkeiten, das ist mein Wissen, dann ist das ja eine große Beschränkung.

00:10:04: Denn wenn wir sagen, dies weiß ich, dann drücken wir auch gleichzeitig, wenn noch unbewusst aus, dass wir andere Dinge nicht wissen.

00:10:13: Und gleichzeitig mit dieser Annahme drücken wir die Schlussfolgerung aus oder lassen die Schlussfolgerung entstehen, dass wir anderes Wissen auch nur sehr bedingt aufnehmen werden können.

00:10:27: Wenn wir allerdings kein Ich konstruieren oder daran arbeiten, kein Ich zu konstruieren, wir können es ja nicht von dem einen auf den anderen Tag.

00:10:37: Wir können nicht und haben sagen, ab morgen werde ich

00:10:42: als

00:10:43: Einheit sein, als Einheit leben, das ist ein Prozess, wie alles ein Prozess ist.

00:10:50: Aber wir müssen damit anfangen, weil es einfach leicht

00:10:53: nimmt,

00:10:54: weil wir ja freier werden, denn so fallen ja immer mehr Beschränkungen weg, indem wir also immer mehr uns öffnen für die Welt und somit gleich zeigt, dick, immer weniger ein Ich konstruieren, das etwas Konkretes darstellt, desto mehr Fähigkeiten erlangen wir automatisch.

00:11:17: Desto mehr Fähigkeiten kommen einfach zu uns.

00:11:20: Sie waren ja schon immer da, sie sind da und dann kommen sie einfach zu uns.

00:11:25: Wir verschließen uns vor neuen wunderbaren Fähigkeiten, wenn wir ein Ich konstruieren und je mehr diese Konstruktion geschieht in unserem Geist, desto weniger glauben wir zu etwas Fähig zu sein.

00:11:42: Das ist ein Aspekt, der uns Leid bringt.

00:11:45: Weil dieser Aspekt natürlich uns das Leben schwerer macht.

00:11:49: Ist doch ganz klar.

00:11:51: Jeder sucht ja nach Menschen, die viele Qualifikationen haben, sei es im Job.

00:11:57: Aber auch Vermieter möchten gerne Mieter haben, die qualifiziert sind.

00:12:01: Und wenn auch diese Qualifikationen sehe ich auf eine hohe Stufe der zwischenmenschlichen Kommunikation oder der Fähigkeit zu einer zwischenmenschlichen Kommunikation beschränkt.

00:12:17: Der ein anderer Aspekt ist der, dass wir je weniger wir merken, dass unsere Gedanken uns beherrschen, desto mehr Minderwertigkeitskomplexe haben wir.

00:12:30: Jetzt möchte ich nur ein Minderwertigkeitskomplex rausnehmen.

00:12:33: und zwar der Glaube, dass wir noch nicht alles im Leben erreicht haben, dass da noch etwas gibt, was wir erreichen müssen.

00:12:42: Jetzt möchte ich diesen Punkt anhand der Einstellung gewisser Tech-Milliardäre näher erläutern.

00:12:48: Gewisse Tech-Milliardäre

00:12:50: können sich nicht vorstellen, andere

00:12:52: Ergebnisse zu bekommen, die sie in Verbindung mit ihren Zielen

00:12:56: gesetzt haben.

00:12:57: Andere Ergebnisse als

00:12:59: die, die sie im

00:13:00: Kopf haben, kommen für sie nicht in Frage.

00:13:03: Und das ist Leid.

00:13:05: Konkreter gesagt, das ist ein Aspekt des Leids.

00:13:08: Dass man davon ausgeht, man habe noch nicht alles erreicht in seinem Leben.

00:13:14: Aber in Wirklichkeit haben wir alles erreicht.

00:13:17: In Wirklichkeit sind wir ganz.

00:13:19: Die ganze Welt ist in uns.

00:13:21: Wir müssen nichts mehr erreichen.

00:13:23: Wir müssen nur erkennen, dass dies

00:13:25: lediglich

00:13:26: ein geistiges Kunstdruck ist.

00:13:28: Und dann sind wir schon viel mehr frei als zuvor.

00:13:32: Es ist etwas Zutiefsmenschliches,

00:13:36: Ziele zu haben, etwas erreichen zu wollen, und dagegen spricht doch nichts.

00:13:41: Es ist die Natur des Menschen, Ziele zu haben.

00:13:45: Aber der entscheidende Unterschied

00:13:47: ist,

00:13:48: wenn wir

00:13:48: geistig

00:13:49: klar sind,

00:13:51: wenn wir

00:13:51: achtsam genug sind, dann erwarten wir keine Ergebnisse mit unseren Zielen, dann gehen wir unseren Zielen nach, aber im Grunde ohne Erwartungen.

00:14:01: Dann gehen wir unseren Zielen ganz entspannt nach.

00:14:03: Wir erwarten einfach nichts.

00:14:05: Keine Ergebnisse.

00:14:07: Und das ist der Feine, aber große Unterschied.

00:14:09: Wenn wir so

00:14:10: durchs Leben

00:14:11: schreiten, dann ist alles cool.

00:14:13: Dann geht es uns gut.

00:14:15: Weil das eine große innere Ruhe mit sich bringt.

00:14:19: Weil in diesem mentalen Stadium oder in diesem mentalen Zustand nicht auf Ergebnisse fixiert sind.

00:14:27: Und die Fixierung auf Ergebnisse bringt immer Unruhe mit sich.

00:14:32: Und Unruhe ist ja nichts anderes als Stress.

00:14:35: Aber um diesen

00:14:36: Glaubenssatz, um diesen Minderwertigkeitskomplex, man habe noch nicht alles im Leben erreicht zu überwinden, muss man sich in die Meditation begeben.

00:14:46: Muss man noch achtsamer werden.

00:14:49: Muss man seine Gedanken immer mehr als das erkennen, was sie in Wahrheit sind.

00:14:54: Mentale Bilder, die keinerlei Sense haben.

00:14:57: die im Grunde nicht wirklich sind.

00:14:59: Gedanken sind nichts anderes als selbst herbeigeführte Vorstellungen, wie die vom letzten Urlaub, die wir jederzeit hervorholen können und jederzeit auch wieder in die Tiefen des Bewusstseins hineinschieben können.

00:15:15: Der Art Existenz sind unsere Gedanken.

00:15:19: Ich wünsche dir noch einen wundervollen Tag, ich hoffe, du konntest heute einiges für dich mitnehmen.

00:15:25: Ich freue mich schon auf die nächste Runde mit dir.

00:15:28: Mach's gut, halt ihr ansteif, dein Oleg.

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